Eisenentsalzung

Archäologisches Eisen reichert auf Grund elektrochemischer Zusammenhänge in großem Maße Chloride und andere Salze aus den Bodenlösungen an seinem metallischen Kern an. Diese Salze bewirken durch sehr komplexe Mechanismen einen totalen Zerfall der Objekte, sobald diese dem Luftsauerstoff und Feuchtigkeit ausgesetzt werden.

Einerseits sorgen chemische Prozesse dafür, daß permanent metallisches Eisen korrodiert wird.

Schlimmer als diese schleichenden chemischen Vorgänge sind aber die mechanischen Absprengungen, die durch die Vorgänge im Inneren der Objekte entstehen. Innerhalb kürzester Zeit kann ein eiserner Bodenfund total zerfallen.
Solche, hier sehr anschaulich dargestellten Akaganeitkristalle sind für die mechanischen Schäden verantwortlich. Sie wachsen von dem metallischen Kern ausgehend empor und sprengen dadurch die aufliegenden informationstragenden Korrosionsschichten ab.

Abb. aus: Selwyn, L. S. et al. (1999) Studies in Conservation 44, S.217ff

FeO(OH,Cl)
Deshalb ist es in meiner Werkstatt üblich, solche Funde einer eingehenden Entsalzung zu unterziehen, bevor weitergehender restauratorischer Aufwand mit den Objekten betrieben wird. Das Grundprinzip ist eine Auswaschung der Salze in wässrigen alkalischen Lösungen.

Für diesen Zweck stehen eine Reihe von bis zu 400 Ltr. fassende Wannen zur Verfügung.

 

In einzelne PE-Netze verpackt und gesondert beschriftet werden die Funde für ca. 6 bis 15 Monate in beheizten und bewegten Bädern aus Edelstahl gelagert. Die Badlösung wird nach Bedarf alle zwei bis sechs Wochen erneuert.

Nach eingehender Auswaschung der Badlösung und gründlicher Trocknung in kontrollierter Ofenatmosphäre, folgen weitergehende Maßnahmen wie z.B. eine Tränkung mit Acrylharzen im Vakuumdruckkessel.

Literatur zur Eisenentsalzung:

 

 

Eisenkorrosion und Natriumsulfitentsalzung: Theorie und Praxis, Susanne Greiff,  Detlef Bach, Arbeitsblätter für Restauratoren 2/2000, S.319 - 336, Vlg.: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

  Restaurierung: Detlef Bach, Winterbach 1997 / 2003