Freilegungstechniken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast alle Materialien korrodieren, besonders dann, wenn es sich um Bodenfunde handelt.

Manche Fundstücke sind lediglich von der umgebenden Erde beschmutzt, andere dagegen sind von mehr oder minder stark korrodiert. Die alte Oberfläche mit ihren Verzierungen und Gebrauchsspuren steckt inmitten dieser Korrosionsschichten.

Freilegung bedeutet nicht einfach alle Korrosionsprodukte wahllos zu entfernen, sondern sich mechanisch gezielt an die "originale" Oberfläche heranzutasten. Eisen kann vollständig zu Rost umgewandelt sein und dennoch lassen sich Gebrauchsspuren, Verzierungen und Herstellungsmerkmale oft im Detail wieder sichtbar machen. 

Diese originale Oberfläche ist jedoch meist durch die Korrosionsvorgänge stark verzerrt und verworfen. Daher bedarf es Freilegungstechniken, die diesen Verwerfungen folgen können, ohne sie einzuebnen.

Restaurierung von Bodenfunden bedeutet also nicht, daß die Objekte wieder wie neu modelliert aussehen. Dies käme in vielen Fällen einer Zerstörung der Objekte gleich.

 

Ziel der Arbeit des Restaurators im Bereich der Bodendenkmalpflege ist daher in erster Linie meist die Widerbeschaffung und Erhaltung von Informationen, die solche Objekte noch hergeben. 

Die Freilegung von Oberflächen ist nur eine von vielen Möglichkeiten, detaillierte Erkenntnisse über Herstellungstechniken, Form und Zweck von Artefakten zu finden oder sie einem Museumsbesucher anschaulich zu machen.
Informationen können z.B. auch Röntgenaufnahmen bieten. Sie zeigen bei minimalem Aufwand u.U. schon alles, was der Archäologe braucht: nämlich die Umrisse eines Objektes zur Identifikation. 

 

 

Voraussetzung für eine effektive mechanische Bearbeitung von Bodenfunden ist ein Gerätepark, der jedem jeweiligen Problem ideal  entspricht. Heute sind es in der Hauptsache Mikrostrahlgeräte, mit denen unter Verwendung verschiedenster Strahlmittel, Düsen und Luftdrücken die originale Oberfläche innerhalb von vor allem eisernen Korrosionsprodukten gefunden wird. 

 

 

Die Bearbeitung erfolgt beim Mikrosandstrahlen in geschlossenen Kammern, in denen die Fundstücke unter dem Binokular gestrahlt werden. 
Eine gute Absaugung, sehr trockene Pressluft und präzise arbeitende Strahlgeräte sind allerdings unabdingbare Voraussetzungen, damit die z.T. nur mikrometer großen Strahlmittel genau das tun, was man will.

 

 

Die überaus reich verzierte eiserne Scheide des keltischen Schwertes aus Thür, Kreis Mayen-Koblenz ist vollständig durchkorrodiert. Lediglich die Einlagen aus dünner Goldfolie sind nach etwa 2000 Jahren noch unverändert erhalten. Trotz der Volumenzunahme die das Objekt in Folge der Korrosion erlebt hat,  lässt sich eine solche Detailgenauigkeit  innerhalb der Rostschichten finden.

Der tauschierte Steigbügel aus Dortmund-Asseln ist weitgehend durchkorrodiert. Die eingelegten Bronze- und Silberfäden sind entsprechend dem Volumenzuwachs, z.B. auf den Blasen, angehoben.

 

 

 

 

Werkstatt: Detlef Bach, Winterbach 1996 / 2005