Holzfunde aus einem römischen Vicus
 Untersuchungsbericht
Detlef Bach, Winterbach

 

 

Unter Leitung von Frau Dr. Sabine Faust wurde bei Grabungen des  Landesmuseums Trier im 1994 ein umfangreicher Holzkomplex entdeckt. Aufgrund der sorgfältigen Bergung des gesamten Fundzusammenhanges durch Herrn Ludwig Eiden vom Landesmuseum Trier war es möglich den Block detailliert zu untersuchen. 

Die Erstversorgung, mit sorgfältiger Reinigung der Oberflächen und der technischen Planung und  Durchführung einer mehrjährigen Wässerung des insitu-Blocks wurden von Herrn Johannes Schu ausgeführt.

Während der folgenden Konservierung und Untersuchung des Komplexes in meiner Werkstatt konnten einige interessante Details beobachtet werden, die darauf schließen lassen, daß es sich bei den Hölzern um die Reste einer Reparatur handelt, die in Folge eines Gebäudebrandes nötig wurde.  

 

 

 

 

Im folgenden werden meine Ergebnisse kurz zusammengefasst.


Zeichnung: H.J.Beer, Landes Museum Trier
u.Bildkante ca. 250 cm


Foto: Landesmuseum Trier

 

 

  
Zustand nach der Blockbergung und Wässerung

 


Foto: Landesmuseum Trier in Fundlage


Beschreibung der Fundtypen

Die gefundenen Holzobjekte lassen sich in folgende Gruppen einteilen.

 

 
Splitter aus Eichenholz
Sie bilden den zahlenmäßig größten Anteil. Sie treten in verschiedensten Größen auf, von kleinsten wenige Millimeter großen Fetzen bis hin zu mehrere zehn Zentimeter langen Splittern. Diese Stücke sind durchweg gehackt und zerrissen. Sie stellen die Späne dar, die bei der Bearbeitung von Eichenholz mit Äxten und Stemmeisen typischerweise anfallen.

 

 

Äste

Ebenfalls in auffallender Menge vorhanden sind dünnere, Äste bzw. Aststückchen. Die Durchmesser dieser, nach ihrer Holzart noch unbestimmten Hölzer bewegen sich zwischen wenigen Millimetern, bis zu drei Zentimetern. Es fällt auf, daß keine dickeren Äste auftauchen, wie sie etwa beim Brennholz machen anfallen würden. Diese Asthölzer sind durchweg schlechter erhalten, als die Eichenstücke. Dennoch finden sich die Enden vieler Äste abghackt.

 

Bretter
 im Unterschied zu den Spalthölzern als gesägte Stücke, mit klar definierten Kanten. Hier sind nur vier Stücke zu nennen (837, 847, 821/0 III-38, 821/0 III-39)
Drehware zeigt sich an vier Objekten:

den Fragmenten eines Tellers (823), einem Spinnwirtel (zu 826), sowie einem wahrscheinlich zerhackten runden Stempel mit Zapfenende (835) und Nr. 819.

 

Spaltbretter

Den flächenmäßig größten Anteil bilden Spaltbretter aus Eichenholz

All diese Spalthölzer sind dünner als zehn Millimeter, wobei regelmäßig eine Kante dicker ist als die Andere. Alle Stücke zeigen stehende Jahresringe. Dies deutet auf ein radiales Spalten von Rundstämmen hin. 
Keines der Stücke zeigt eine Bearbeitung der Oberfläche.

An nur wenigen der Bretter wurde Splintholz gefunden, dann jeweils an der dickeren Seite. Alle Stücke sind einseitig stärker verwittert.

Die meißten Stücke sind gerissen oder gebrochen. Ursprüngliche Längen lassen sich nur in wenigen Fällen ermitteln. Das längste Stück war mindestens 96 cm lang. Die kürzesten Stücke mit erhaltenen Enden sind 30, 37, 45, 54 und 56 cm lang.
Die nachweisbaren Breiten der Stücke variieren erheblich zwischen etwa 8 cm bis zu 18 cm.

Viele Stücke sind einseitig flächig angekohlt, oder an einem Ende verkohlt.

Alle größeren Stücke weisen Lochungen auf, die offensichtlich nicht nach einem bestimmten System angeordnet sind. Auch die Anzahl, bzw. die Abstände der Löcher variieren erheblich. Gelegentlich finden sich zwei Löcher dicht nebeneinander, wobei aber nur eines durchgehend verläuft, das andere aber im Holzinneren endet. In der Regel läßt sich ein rechteckiger Querschnitt der Löcher nachweisen. Die Querschnitte varieren im Bereich von ca. 3 mm bis zu 7 mm. Der Verlauf der Lochungen reicht von fast senkrecht zur Brettoberfläche bis hin zu sehr flachen Winkeln, wobei gelegentlich das Holz durch den flachen Lochvorgang leicht angespalten wurde. In keinem der Löcher kann Eisenkorrosion nachgewiesen werden. Es zeigen sich keinerlei Verfärbungen, die auf einen Nagel oder Ähnliches schließen ließen. In vielen der Löcher finden sich pflanzliche Faserreste. Inwieweit diese die Reste von Wurzelwerk darstellen oder aber Überbleibsel einer ehemaligen Verschnürung im Sinne einer Dachbefestigung sind, muß noch überprüft werden.

Drei Stücke sind an einem Ende in einem Winkel von 45° abgesetzt und diese schräge Kante zusätzlich schräg angefast (821/0 III-5, 821/0 III-23, 821/0 III-44)(o.Abb.).

 

 


Faserreste in einer Lochung, u.Bildk. ca. 8mm

 

Holzarten
Ohne weitere Untersuchungen können nur die Eichenstücke eindeutig identifiziert werden.

Andere Holzarten von Ästen, Brettern und Splittern sind ohne spezielle Untersuchungen nicht sicher zu identifizieren. Es könnten nach einer Untersuchung verschiedener repräsentativer Stücke der offensichtlich unterschiedlichen Holzarten allerdings Gruppen gebildet werden.

 

Dendrochronologische Untersuchung
Die dendrochronologischen Untersuchungen wurden von Mechthild Neyses-Eiden durchgeführt und sind nachzulesen in:

 

Mechthild Neyses-Eiden, Holzbauten im römischen Vicus von Tawern, Beobachtungen zur Dendrochronologie und Holztechnologie, in: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 34, 2002, S. 29 - 38
Bearbeitungsspuren
Der Abbaugrad der Hölzer läßt feinste Strukturen von Bearbeitungsspuren nicht mehr erkennen. Die Deutung von bestimmten Werkzeugen bezieht sich in der Regel auf die Ausführung und Form der jeweiligen Schnittstelle.

Der Hauptanteil der Bearbeitungsspuren rührt von spaltenden Werkzeugen her. Es sind Äxte, Beile, und Stecheisen anzunehmen.

Die Lochungen in den Spaltbrettern könnten mit einem spitzzulaufenden, pickelartigen Schlagwerkzeug hergestellt worden sein.

Zwei Löcher in dem Brett Nr.837 sind eindeutig rund, also mit Bohrwerkzeug hergestellt. Die Aussparung an diesem Brett ist wahrscheinlich gesägt worden (o.Abb.).

Die Oberflächenstruktur des trapezförmigen Brettes Nr.847 scheint sorgfältig geglättet zu sein. Hier könnte ein Hobel im Spiel gewesen sein (o.Abb.).

Rechtwinklige Brettkanten sind wahrscheinlich mit Hobeln hergestellt worden.

 


Baukonstruktionselement?


rechteckige Lochung in Spalthol

 

Deutung
Es ist anzunehmen, daß es sich bei dem Fundkomplex um die Überreste einer Bautätigkeit an einem Gebäude handelt. Die eichenen Schindeln sind angekohlt und waren zur Zeit der Niederlegung schon teilweise gebrochen oder gerissen. Eine große Menge Splitter deuten auf die Verarbeitung neuen Holzes hin. Solche Splitter entstehen bei der Zurichtung von Dachschindeln, beim Ausstemmen von Zapfenlöchern etc.. Die eher kurzen Aststücke mit teilweise abgehackten Enden entstehen bei der Anpassung von Astwerk in ein jeweiliges Balkenfach. Das Astwerk wurde als Fachwerkausfüllung anschließend mit Lehm verputzt. Hinweis auf soche Fachwerkschließungen liefert ein verziegeltes Putzfragment aus der gleichen Grabung.

Bretter, Leisten und Latten verschiedener Dicken und Längen sind alles Holzobjekte, wie Sie typischerweise an Gebäuden in Holzbauweise auftreten können.

Vermutlich hatte es in einem Gebäude gebrannt, so daß teilweise Dach und Wandbereiche erneuert werden mußten. Der Brand war nicht in der Lage das Dach vollständig zu zerstören. Dafür sind die Brandspuren an den Schindeln zu gering. Eichenschindeln mit derart schwachen Anbrennungen sind sicher noch weiterhin zu verwenden, wenn nicht wegen Brüchen oder Rissen eine Erneuerung notwendig ist. So gehe ich davon aus, daß altes Baumaterial weiterverwendet wurde und lediglich ein geringer, unbrauchbarer Rest zum Bauschutt kam.

Die wenigen Stücke, die offensichtlich nichts mit einem Gebäude zu tun haben, fallen bei dieser Deutung kaum ins Gewicht. Sie sind aus anderen Gründen mit zu diesem Holzkomplex gelangt.

 


seitlich verkohltes Spaltbrett


Faserreste in einer Lochung u.Bildk. ca. 8mm

Zur Fundlage
Es fällt auf, daß in den Plana I und II, also in den oberen Bereichen eher kleinere Partikel, Splitter Äste etc. liegen. Die große Menge an Spaltbrettern kam erst im unteren Planum III zum Vorschein. Wenn man davon ausgeht, daß die Hölzer nach der Niederlegung nicht mehr bewegt wurden, könnte man eine gewagte Chronologie der Bautätigkeit aufzeigen. Das Dach wäre demnach zuerst repariert worden. Innenausbau, Wandverkleidung und Wandverstärkung dann erst im Anschluß erfolgt. Die Lage der Hölzer im Planum III zeigt kein erkennbares System. Lediglich die parallele Lage der Aststücke unter Brett Nr.821/0 III - 39 ist auffällig und kann hier nicht erklärt werden. Eine anfängliche Deutung der Fundlage des Planum III als provisorische Wegbefestigung oder Pfützenabdeckung mit nicht mehr brauchbarem Bauholz, dies könnte die parallele Lage der Äste unter den flachen Schindeln vielleicht erklären, läßt sich angesichts der Funde oberhalb aus den Plana II und I aber kaum aufrecht erhalten. Auf keinen Fall kann man davon ausgehen, daß eine Konstruktion, eines Daches, eines Schuppens o.ä. hier in Sturzlage vorliegt. Dagegen sprechen die Hölzer selbst.

Rekonstruktion der Fundlage
Die Lage der Hölzer die in den Grabungsplänen und den Lageplänen der Blockbergung verzeichnet sind läßt sich problemlos anhand der Beschriftung der einzelnen Objekte (Beschriftung erfolgte jeweils auf Unterseite der Fundlage) nachvollziehen.

Konservierung
Der natürliche Abbaugrad der Hölzer erforderte eine eingehende Festigung der organischen Substanz mit einem geeigneten Kunstharz.
Nach etwa zwei jähriger Wässerung (ca. zehnmaliger Wasserwechsel) erfolgte eine etwa sechswöchige Volltränkung der Hölzer in dem Melaminharz Kauramin CE-5549 der Firma BASF in wässriger Lösung. Nach der Aushärtung des Harzes wurden die Stücke passiv mehrere Monate unter Polyethylenfolie getrocknet. 
Als zusätzliche Verstärkung der zum Teil sehr dünnen, fragilen Objekte kam das Acrylharz Paraloid B72 im Tauchverfahren zum Einsatz. 
Klebungen erfolgten mit Cyanacrylatklebern oder stützend mit Epoxidharzen.
Für stützende Ergänzungen wurden eingedickte Acrylharze, sowie Wachse verwendet.
Verwerfungen der Hölzer, insbesondere der dünnen eichenen Spaltbretter, konnten nicht unterbunden werden. Jeder Versuch die Stücke flach austrocknen zu lassen, führte zu starker Querrissbildung. Deshalb wurden zugunsten der Qualität der Oberflächen leichte Krümmungen einzelner Stücke toleriert.

Präsentation, Magazinierung
Die Hölzer verhalten sich nach der Konservierung mit dem Melaminharz ähnlich wie rezente Hölzer.
Änderungen der Temperatur, sowie der rel. Luftfeuchtigkeit sollten dringend vermieden werden. Empfohlen wird eine gleichbleibende Temperatur von ca. 18 C° bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von 55 %. Vor allem sind starke Schwankungen zu vermeiden.

Beschriftungssystematik

Bei dem Holzkomplex aus Tawern, EV 94,126 handelt es sich um eine Anzahl von ca. 1500 Holzobjekten, bzw. Fragmenten aus 223 Fundnummern

Die Beschriftung der Objekte erfolgt nach folgenden Systemen:
Objekte aus dem Planum I wurden geborgen nach Planquadraten 1 A,B,C - 6 A,B,C
Objekte aus dem Planum II wurden geborgen nach Planquadraten 1 A,B,C - 6 A,B,C
Die Objekte aus Planum III sind in Ihrer Lage individuell auf verschiedenen Zeichnungen gekennzeichnet.
Die Lage der Stücke mit den Unternummern 821/ 1 -821/ 7 sind verzeichnet auf dem Lageplan M 1:10.
Objekte mit den Unternummern 821/0 III 1 - 22 sind verzeichnet auf Plan M 1:7, gez. 20.3.97, H.J.Baer.
Fragmente mit den Nummern 821/0 III 300...821/0 III 400... sind fortlaufend verzeichnet auf der Lagezeichnung der Blockbergung M 1:3 (Umzeichnung D. Bach), entsprechend der Entnahme der Fragmente aus dem Block.
Solche Objekte, die nach der Konservierung aus verschiedenen Fragmenten zusammengefügt werden konnten, erhielten eine neue Bezeichnung von 821/o III 23 bis 821/0 III 45. Dies betrifft in erster Linie Spaltbretter aus Eichenholz.
Fundnummern 819 - 856 (nichtdurchlaufend) sind in den Grabungsplänen vermerkt
Alle Fundnummern sind in einer detaillierten Liste aufgeführt und beschrieben.

Einige Funde aus den Plana I und II wurden nicht konserviert. Diese Stücke wurden für weitere Untersuchungen in demineralisiertem Wasser gelagert.

 

  Untersuchung und Konservierung: Detlef Bach, Winterbach 1999