Rückformungen

 

Die hier gezeigten Gefäße aus Xanten sind allesamt aus dem Rheinkies gebaggert worden und waren  durch die Baggerschaufel z.T. bis zur Unkenntlichkeit verdrückt und zerrissen.

Bevor man sich zur Rückformung von archäologischen Objekten entschließt sollte grundsätzlich in Zusammenarbeit mit dem Archäologen untersucht werden, ob es sich bei der vorliegenden Deformation um antike Zerstörungen handelt, die evtl. vor der Niederlegung intentionell ausgeführt wurden, oder ob es sich wie in den folgenden Fällen um grabungsbedingte Schäden handelt.

 

 

 

Römerzeitliches Bronzegefäß aus einer Kiesgrube bei Xanten

Aufgrund extremer Fragmentierung, war der Gefäßtyp erst nach weitreichender Rückformung und Ergänzung erkennbar. Eine "Patina" ist aufgrund der Lagerung im Kies und Wasser oft nicht vorhanden. Oberflächendetails kommen dafür um so authentischer zum Vorschein.

Der eiserne Reif mit Henkel wurde gesondert in alkalischer Sulfitlösung entsalzt.

Bei dünnwandigen getriebenen Blechgefäßen erreicht man eine Rückformung mit einiger Geduld und sanfter Gewalt ohne das Material weich glühen zu müssen. 

 

Vor allem bei gegossenen, oder sehr dickwandigen Gefäßen ist eine "kalte" Rückformung häufig unmöglich. In diesen Fällen könnte durch gezieltes Tempern eine Gefügeumwandlung erzeugt werden, die erneutes Verformen zuläßt, ohne daß Risse im Material auftreten. Solche Behandlungen stellen aber massive Eingriffe in die Substanz dar und werden nur nach Absprache durchgeführt.
  • In jedem Fall ist mit einem Totalverlust von Patina und Oberflächendetails zu rechnen.
  • Die ursprüngliche Form des Gefäßes geht aus dem "Gedächtnis" des Materials verloren und man läuft Gefahr, daß bei der Rückformung ein "neues" Gefäß entsteht.

In dem vorliegenden Fall wurde daher auf eine Rückformung verzichtet, weil sowohl die Verzinnung im Inneren der Kasserolle, als auch der Stempel verschwunden wären.

 

 

 

Nach der Rückformung sind natürlich weitreichende stützende Maßnahmen erforderlich. Zunächst wird die gesamte Oberfläche mit einem Acryllack abgesperrt. Von Innen aufzubringende Epoxidharzlaminate bleiben dadurch reversibel und führen nicht zur unschönen Schwärzung der Patina.

Fehlstellen werden in Laminiertechnik überbrückt, beigearbeitet und retuschiert.

Wie bei allen Restaurierungen im archäologischen Bereich kommt es in erster Linie auf den Erhalt und die Erkennbarmachung von antiken Befunden an. Ein blindes "Schönschleifen"  ist daher unbedingt abzulehnen und jeder Eingriff in die Substanz immer unter dem Gesichtspunkt des Erhaltes von Information zu erwägen.

Im nebenstehenden Fall fand sich ein eingeritztes Graffiti auf einer Gefäßwandung.

   
  Restaurierung: Detlef Bach, Winterbach 2002 / 1997