Röntgenradiographie

  • Dem Restaurator gibt sie eine einfache Möglichkeit zur Erkennung von Materialkombinationen, z.B. Tauschierungen oder Verzierungen und Herstellungstechniken an die Hand .

  • Dem Archäologen dient sie als Entscheidungsgrundlage über weitere Maßnahmen am Fund.

  • Gerade bei großen Fundmengen bieten Röntgenaufnahmen als Bestandteil der Dokumentation guten Schutz vor dem Verlust von Informationen durch den Zerfall von nicht konservierten Objekten im Magazin.

 

 

 

 

 

 

Wederath, Vicus Belginum, EV 2000,76

Im Falle der Grabung des Tempelbezirks im Vicus Belginum bei Wederath wurden tausende von Eisenobjekten ergraben. Die Funde waren optisch nicht zu identifizieren und es galt mit möglichst geringem Aufwand besondere Objekten von den Nägeln zu trennen.

Hier bot es sich an, jeweils Fundnummernweise zu röntgen und gleichzeitig die Lage der Objekte auf dem Röntgenfilm zu photographieren. 

Auf diese Weise konnten bequem alle interessanten Stücke ausgelesen werden, weil ein Bezug von äußerer Erscheinung eines Stückes und der inneren Form hergestellt war.

Die Bügelfibel in der rechten oberen Ecke war so unter der Verkrustung nicht zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Offensichtlich war jedenfalls die Abdichtung nicht ausreichend, oder aber es war in dem selben Bereich ein neues Loch entstanden.

Über dieser ersten Reparatur würde schließlich ein weiteres rechteckiges Blech mit vier Nieten befestigt. Die vier Niete sind auf der Röntgenaufnahme deutlich als Rollblechniete zu erkennen.

 

 

 

 

 

Das vorliegende Beispiel zeigt eine Reparaturstelle an einem zeitlich noch nicht einzuordnendem Bronzegefäß aus dem Umland von Ingolstadt. Es handelt sich um ein getriebenes Blech aus Kupferlegierung, an dessen heute zerissenem Bodenbereich eine unklare antike Reparatur erhalten ist.

Mithilfe der Röntgenaufnahme konnte eine doppelte Reparatur des gleichen Schadens dokumentiert werden. Etwa im Zenrum des Tellers wurde offensichtlich ein Loch abgedichtet. Das Loch selbst ist nicht zu sehen. Die Reparatur wurde zweimal, mit jeweils unterschiedlichen Methoden durchgeführt.

Bei der ersten Abdichtung ist ein ursprünglich spitz-trapezförmiges Blech gefaltet, durch den Schaden gesteckt und dann außen wieder umgelegt worden. Diese Abdichtung ist ganz sicher nur als Provisorium zu verwenden. Ob zusätzlich eine dichtende Kittmasse (z.B. Birkenrindenpech?) verwendet wurde, ist nicht mehr festzustellen.


 

 

 

 

 

 

 

Einweiteres typisches Beispiel für die Verwendung der Röntgenradiographie stellen tauschierte Objekte dar. 

Gerade korrodierte Eisengegenstände, wie hier eine frühmittelalterliche Riemenendzunge aus Maisach sind in ihrem Fundzustand nicht einzuschätzen.

Die Röntgenaufnahme enthüllt jedoch jedes Detail der Silber- und Messingeinlagen und bietet eine unschätzbare Hilfe bei der Freilegung der Objekte.

 

 

                             geprägte Goldtauschierung

                                  

 

 

An dem latenè-zeitlichen Schwert konnte die dargestellte goldunterlegte Klingenmarke, sowie weitere, über die vollständig erhaltene Scheide verteilte Goldeinlagen schon im Vorfeld identifiziert werden. Das nimmt meiner Arbeit zwar eine gewisse Spannung, ist aber für eine effiziente und sorgfältige Freilegung unbedingt erforderlich. Eine detaillierte Publikation bedarf noch der Genehmigung des zuständigen Landesamtes.

 

  Detlef Bach, Winterbach, 1997 - 2001