Konservierung und Restaurierung eines dreiteiligen Bronzeklappspiegels

vmtl. Tarentinisch

Restaurierungsbericht

Detlef Bach

vgl. Klaus-Peter Goethert, Leihgaben und Neuerwerbungen der Original- und Abgußsammlung in den Jahren 1997-2000, 17.Trierer Winckelmannsprogramm 2000

Dreiteiliger bronzener Klappspiegel, bestehend aus einem Spiegelteil, einem Klappdeckel mit Scharnier und einem ursprünglich aufgelötetem zieseliertem Bildteil. Alle Teile, mit Ausnahme des eisernen Scharniersplintes, bestehen aus einer Kupferlegierung. Im Deckel finden sich außerdem kleine Silbereinlagen.
Vorzustand  

 

Sowohl die Kupferlegierungen als auch der Eisensplint sind stark korrodiert. Die Farbe der aufliegenden Kupferkorrosion erscheint grün in verschiedenen Nuancen. Deckel und Bildmotiv sind, im Gegensatz zum Spiegel, stark aufgebläht und blasig. Feinere Details oder Verzierungen erscheinen nur an bereits von Herrn L. Eiden freigelegten Bereichen. An diesen Stellen kommt die rötliche Farbe der korrodierten Originaloberfläche zutage. Alle Teile sind mäßig fragmentiert. Die Brüche zeigen den beinahe vollständig durchkorrodierten Zustand des Deckels und des Bildteils. Der Spiegel ist nur stellenweise durchkorrodiert. Jedoch zeigt die Röntgenaufnahme, daß punktuell tiefgreifende Gruben ins Material hineinkorrodiert sind. Diese Gruben sind heute, sofern sie nicht ausgeräumt wurden, mit wachsartigem Kupferchlorid gefüllt. Vor allem diese Bereiche sollten unter regelmäßiger Kontolle bleiben, um eine plötzliche Aktivität der Chloride rechtzeitig zu bemerken.

Vom Bildteil fehlen entscheidende Bereiche der Gesichter und Teile der Randeinfassung und des Liegestuhls.

 

Bearbeitung  

 

Ziel der Bearbeitung war die Freilegung der Oberflächen in Hinblick auf eine möglichst weitgehende Klärung von Verzierungen und dem Erhalt der antiken Oberflächen. Außerdem kam neben der Wiedermontage von Fragmenten eine grundlegende Festigung der brüchigen Substanz zum Tragen.

Die originale Oberfläche wurde unter dem Binokular im Mikrosandstrahlverfahren (Strahlmittel: Glasperlen und Korund) und mit dem Skalpell freigelegt. Die Festigung der Substanz erfolgte mit Acrylharzen, die unter Vakuumbedingungen in das Material eingebracht wurden. An der Oberfläche zutagetretende Chloridnester konnten mechanisch ausgeräumt werden.

Klebungen wurden vor der Tränkung mithilfe von Cyanacrylaten durchgeführt, kleinere Fehlstellen mit Hartwachs geschlossen. Der Spiegel wurde außerdem vor der Kunstharztränkung mit Benzotriazol als Korrosionsinhibitor getränkt.

Die punktuelle Befestigung des Bildmotivs auf dem Bildträger erfolgte ebenfalls mit Hartwachs.

 

 

  Befunde

Spiegel

Schon im Vorzustand war erkennbar, daß der Spiegelteil aus einer anderen Legierung besteht, als der Deckel und das Bildteil. Nach der Freilegung werden weite Bereiche metallischer Bronze sichtbar.

Die von Frau Dr. Susanne Greiff im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz durchgeführten chemischen Analysen (zerstörungsfreie Röntgenfluoreszenzanalyse an der Innenseite des Spiegelteils) ergaben eine Bronzezusammensetzung, wie sie für Spiegel kennzeichnend ist. Spiegelbronzen müssen hart und gut polierbar sein. Dafür wird der Bronze relativ viel Zinn zugesetzt, Blei darf jedoch nicht in größeren Mengen vorhanden sein, da es die Hochglanzpolitur verschmieren würde. Der vorliegende Spiegel erbrachte 14,5 Gew. % Zinn und 85,5 Gew. % Kupfer. Die Summe der Verunreinigungen durch andere Elemente wie z.B. Blei lag deutlich unter 0,5 Gew. %. So liegt diese Bronzezusammensetzung also genau im Bereich zwischen 8,5 und 16 Gew. % Zinn, wie er z.B. von Riederer („Archäologie u. Chemie“, Berlin 1989, S.116) für etruskische Spiegelbronzen angegeben wird.

Auch dieser Spiegel wurde, wie damals üblich, in seiner Grundform gegossen, überdreht und abschließend poliert. Die umlaufenden Rillen auf der Innenseite und auf dem Randbereich spiegeln den Drehprozeß wider. Im Randbereich vorhandene Reste eines Lotmaterials, sowie eines kleinen Nietstiftes, deuten die ursprüngliche Stellung zum Scharnier hin an.

 

 

   

Deckel

Die Grundform des Bildträgers entspricht der des Spiegelteils, jedoch ist dieses offensichtlich aus einer bronzenen Blechscheibe herausgetrieben worden, wie die Bearbeitungsspuren auf der Innenkante belegen. Die Herstellung des Mäandermusters ist aufgrund des Korrosionszustandes nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen. Die Vertiefungen des Mäandermusters sind abwechselnd mit Metalleinlagen aus Silber und wahrscheinlich Kupfer (vgl. Röntgenbild) ausgelegt, wobei einige wahrscheinlich bereits zum Zeitpunkt der Bodenlegung gefehlt haben dürften. Das Kupfer ist, wie zu erwarten, in stärkerem Maße vergangen als die silbernen Einlagen.

 

 
   

Bildmotiv

Das Bildmotiv ist in feiner Treibarbeit entwickelt und in seinen Feinheiten ziseliert worden. Es traten an den erhabenen Stellen die für diese Technik typischen Dickenreduzierungen auf, die sich im Nachhinein durch Verluste besonders an Gesichtern u.ä. bemerkbar machen.

Ursprünglich war dieses ziselierte Bildmotiv durch eine feine, bleihaltige Lotnaht entlang der Kanten auf dem Spiegeldeckel angelötet. Aufgrund der Lotreste läßt sich die ursprüngliche Position rekonstruieren.

 

 

Scharnier

Das am Bildträger erhaltene Scharnierblech weist leichte Verzierungen auf. Der Korrosionszustand deutet darauf hin, daß dieses Blech aus einer anderen Legierung gefertigt ist als der Bildträger. Das Blech ist mit 4 durchgehenden Nietstiften befestigt. Auf der Schauseite sind 7 erhaltene Niete sichtbar und ein leeres Nietloch. Außerdem finden sich auf der Rückseite Spuren von drei leeren Nietlöchern, die darauf hindeuten, daß dieses Scharnierblech bereits in der Antike repariert oder sogar ausgetauscht worden ist. Der Scharnierdorn besteht aus völlig durchkorrodiertem Eisen.

 

Maßtabelle

 

Durchmesser

Materialdicke ursprünglich ca.

Breite x Länge

Spiegel

134 mm

1 - 3 mm

 

Bildträger

135 mm

2 - 4 mm

 

Bildmotiv   

 

0,1 - 0,5 mm

 

Scharnier

 

0,8 mm

38 x 19 mm

 

 

Handhabung

Das Objekt unterliegt einer aktiven Chloridkorrosion (insbesondere der Spiegelteil), die durch restauratorisch-konservatorische Maßnahmen immer nur vorrübergend zu stoppen ist. Es ist dringend eine immerwiederkehrende Kontrolle zu empfehlen. Grundsätzlich sind die für die Aufbewahrung von Metallobjekten empfohlenen Konditionen zu beachten. Die mit Hartwachs ausgeführten Klebungen und Ergänzungen können bei 70 °C wieder gelöst werden. Dese Temperatur sollte dementsprechend auch nicht bei der Ausstellung (z.B. durch Halogenspotlights !) etc. überschritten werden.

 

Detlef Bach 2001