Große Fundmengen und Einzelstücke
Auf archäologischen Ausgrabungen gibt es nicht nur "Highlights" zu konservieren und restaurieren. Gerade bei größerem Fundaufkommen wird standardmäßig ein mehrstufiges Verfahren angeboten.
Konservatorische Maßnahmen zur Fundsicherung
- Organisation und Planung von Arbeitsabläufen bzgl.der Erstversorgung und Einschätzung des Materials
- Bildgebende Dokumentation von Vor- und Endzustand
- Röntgenuntersuchung von Blockbergungen oder Einzelfunden
- Konservierung der unterschiedlichen Materialien
- Vorbereitung für die Magazinierung mit Trocknung, Verpackung, Beschriftung etc.
Weitergehende restauratorische Schritte (nach Bedarf)
- Präparation von Suchschnitten
- Funddiagnostik
- Untersuchung von Herstellungstechniken
- Freilegung von organischen Anhaftungen
- Dokumentation und Bewertung der Befunde
- Vollfreilegung und Bearbeitung bis zur Ausstellungsreife
Schönende Retuschen an Eisenfunden, wie etwa die Schließung von oberflächlichen Fehlstellen und Rissen, oder die Glättung allzu störender Rostblasen, können im Einzelfall erwogen werden
Hortfund in Situla
Bronzehort vom Karmelenberg bei Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz),
9. Jh. v. Chr.
Der Bronzehort von Ochtendung stammt aus dem Bereich einer Siedlung der späten Urnenfelderzeit, die sich auf dem sanft abfallenden südlichen Hang des markanten Vulkankegels „Karmelenberg“ befand. Deponiert waren die Bronzegegenstände in einem mit Buckeln und dem Sonnenbarkenmotiv verzierten, konischen Bronzeblecheimer, einer sog. Situla.
Zum Fundbestand gehören 12 Tüllenbeile, 3 Lappenbeile, 1 Schwertgriff, 1 Nadelkopf, 2 kl. Bronzeambosse, 1 runder Bronzebarren mit über 1,0 kg Gewicht, 3 kleinere Bronzeguss- und 3 Bronzeringstücke. Es handelt sich offenkundig um das Depot eines Bronzegießers bzw. Metallhandwerkers aus dem 9. Jahrhundert v. Chr.
Literatur:
A. von Berg, Ein späturnenfelderzeitlicher Bronzehort vom Karmelenberg bei Ochtendung. In: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie (Hg.), vorZeiten. Landesarchäologie in Rheinland-Pfalz (Regensburg 2020) 148-151.
Bronzehort vom Karmelenberg bei Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz), 9. Jh. v. Chr.
Der Depotfund war ein Highlight
Aber nicht so sehr wegen der restauratorischen Schwierigkeiten, sondern wegen der Vielfalt der Objekte und der außergewöhnlich guten Erhaltung.
Maße: Bronzene Situla, Höhe 24,8 cm. Die Situla ist aus dünnem Blech getrieben und an den Seiten zusammengenietet. Der Boden wurde separat hergestellt und an den Gefäßkörper angenietet. Die Schulter ist mit Punzbuckelornamenten verziert. Zwischen kreisrunden Sonnensymbolen sind Zonen mit gegeneinanderstehenden Vogelbarken eingefügt. Bronzene Tüllenbeile, Länge 13,5 bis 15,5 cm. Bronzene Lappenbeile, Länge 13,2 bis 15,2 cm.
Höhensiedlung Fulda-Milseburg
Münzfunde Augsburg
3200 römische Münzen waren offensichtlich durch ein späteres Hochwasserereignis sekundär verlagert worden. In Bezug auf die Erhaltung der Münzen ist dies recht interessant, weil sich in vielen Fällen zeigte, dass in Folge des Hochwassers jede bereits damals vorhandene Korrosionsschicht aberodiert war. Diese Münzsklette sind dann in einer zweiten Korrosionsphase wieder spezifisch nachkorrodiert. Die nachweisbaren Oberflächen sind zwar z.T. sehr schön erhalten und gut freilegbar, zeigen aber dennoch nur den erodierten Zustand nach dem Hochwasser und sind daher in vielen Fällen nicht mehr datierbar.
Ziel der Arbeiten war es, alle Münzen systematisch auf eine Datierbarkeit hin zu untersuchen. So konnten die besonderen Fundumstände in einen zeitlichen Rahmen gesetzt werden.
Kurzbericht zur Grabung von Dr. Sebastian Gairhos:
Jahrhundertfund dank Jahrhundertflut: Neues zum „Lechviertel“ von Augusta Vindelicum
Stadt Augsburg, Schwaben
Fränkisches Gräberfeld Münstermaifeld
Grabungsbegleitende Konservierung und Untersuchung der Metallbeigaben aus ca. 50 fränkischen Gräbern. Ein großer Teil der Fundzusammenhänge wurde in Blöcken geborgen und nach einem mit der Landesarchäologie Koblenz besprochenen Verfahren erdfeucht bearbeitet:
- Röntgenuntersuchung aller Blöcke
- insitu Präparierung der Funde
- Fotodokumentation der Fundlage mit Fundverwaltung
- erneute Röntgenuntersuchung der entnommenen Einzelobjekte
- Fotodokumentation nach Präparierung von organischen Anhaftungen
- zeitnahe Einleitung der Entsalzung des Eisens oder Trocknung anderer Materialien
- Teilfreilegung aller relavanten Funde
- Vollständige Bearbeitung zahlreicher Grabinventare für Präsentationszwecke
Pressblechfibel, Münstermaifeld
Festungsforschung Ingolstadt
Die Schanz – Neues aus der alten Festung
Im Zusammenhang mit den Festungsforschungen in Ingolstadt wurden inzwischen die Metallfunde einer ganzen Reihe von innerstädtischen Ausgrabungen restauratorisch untersucht. Besonderes Merkmal dieses Fundmaterials war, neben der schier unüberschaubaren Menge an Objekten, vor allem deren schlechter Erhaltungszustand. Meine Arbeiten zielten deshalb von vornherein zunächst auf die Indentifizierung besonderer Stücke. Durch Teilfreilegungen und Röntgenaufnahmen konnten mit minimalem Aufwand aus tausenden Funden jene ausgefiltert werden, die für die geschichtlichen Zusammenhänge relevant sind.
Ausstellung zur Festungsforschung Ingolstadt:
Die Schanz – Neues aus der alten Festung
Rüstungsproduktion und Industrialisierung in der Festung Ingolstadt
Gerd Riedel, Ruth Sandner, Von der Landesfestung zur Industriestadt. Der Strukturwandel in Ingolstadt aus archäologischer Sicht. In: Mitteilungen der DGAMN 28, 2015, S. 71-82
Dieter Storz Gegenstände militärischer Herkunft im Fundgut. Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 126, 2017, S. 365-377.
Gerd Riedel, Die Stadt der Soldaten und die Stadt der Bürger. Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 126, 2017, S. 288-300
Ruth Sandner/Gerd Riedel, Die Schanz – Ingolstadt. In: Archäologie in Deutschland 5, 2019, 32-33
Zangentor am Staffelberg
Bei den Ausgrabungen in dem keltischen Oppidum auf dem Staffelberg im Landkreis Lichtenfels wird ein riesiges sog. Zangentor untersucht. Zur Konservierung und Restaurierung kamen inzwischen hunderte (frisch-)Eisenfunde aus den laufenden Grabungen.
Einzelobjekte
Detailfotos bei Bedarf
Goldprobierstein aus einem Tascheninhalt
Tauschierungen aus Rheinland Pfalz
Schlachtfeld am Harzhorn
Konservierung und Restaurierung hunderter (frisch-) Waffenfunde aus den laufenden Prospektionen.
Hunderte Schuhnägel belegten die Truppenbewegungen im Gelände
Deponierung eines Hirschgeweihs, 2010
Bericht zur Restaurierung von Helen Jung
Literatur:
J. Schneeweiß, Feuerbock und Hirschgeweih – eine germanische Kultgrube an der Elbe, Archäologie in Niedersachsen 13 (2010) 52-55.